1977 Fasching, Kostümball in Folbern, der Dorfclub prämiert die
besten Kostüme. Plötzlich steht Herr Herrmann, der
Wirt, auf der Bühne und verkündet in die bierselige Runde: „Wir gründen jetzt einen Elferrat
mit den Prämierten“.
Das war die Geburtsstunde. Die Begeisterung war riesig. Das staunen dann aber groß, als neun
Monate später, kurz vor
dem 11.11.1977, der Dorfclub Folbern die Initiative ergreift und die Narren an einen Tisch
ruft. Denn Ballnacht und
Gründung waren längst vergessen.
Klugerweise aber bestimmten sie erst einmal einen Sprecher, der sich auf
Ideensuche begeben sollte, und hatten mit
Heinz-Günter Brosowski (zu sehen im Bild links), der spätere Inhaber des Kreiskulturhauses
„Krone“ und Vorsitzender des Vereins, keine
schlechte Wahl getroffen.
Guter Rat war teuer und Geld war äußerst knapp, aber nach und nach kamen
die Ideen. Das erste Prinzenpaar waren
Carmen und Wolfgang Pietzsch, Inhaber des gleichnamigen Cafes am Großenhainer Frauenmarkt.
Wohl einmalig in
Deutschland hatte der Folberner Carnevalsverein anfangs einen gemischten Elferrat,
alldieweil ja unter den einst
Gekürten auch Frauen waren. Das zarte Pflänzchen begann zu wachsen. Was ursprünglich keiner
glauben wollte, in
Folbern wuchs gegen allen Widerstand ein Karnevalsverein, der bald von sich reden machen
sollte.
Denn, auch daran sollten wir uns erinnern, Vereinsgründungen waren bei
den Allgewaltigen damals gar nicht möglich,
aber trotz alledem oder gerade deshalb, kein Klub, ein Verein wollte er sein, der FCV.
Juristisch selbstständig war
weder ein Klub noch ein Verein. Das heißt, wir mussten einen Träger haben wodurch wir auch
keine eigenen Einnahmen
hatten. Unser Träger und finanzielles Rückgrat war anfangs bis 1987 der Dorfklub Folbern,
danach die
Kreishandwerkskammer. Diese ließ uns viel freie Hand, obwohl wir ja bisschen Opposition
spielen wollten.
Bald wurde es dem FCV auf dem Folberner Saal zu eng. Die ersten
Gastspiele führten nach Thiendorf, Blattersleben,
Kalkreuth. So fand der erste Auswärtsauftritt 1987 im Mehrzweckgebäude Thiendorf statt. Und
dann kam irgendwann das
Angebot, eine Faschingsveranstaltung im Dampfhammerwerk Großenhain (Achse)
auszugestalten. Der Verein brauchte Geld,
nahm an, eroberte sich einen großen Saal und „brach“ über diesen Weg in die Stadt ein.
Irgendwann kam dann auch der
Punkt, wo den FCV-Narren und –Närrinnen ihre bis dato Nummern-Programme nicht mehr genügten.
Seit 1986 wurde jeder
Karneval des FCV unter ein Motto gestellt, „Der FCV hat was im Sinn, mit CAD/CAM ins Jahr
2000 hin“. Mit „Aladin ins
Wunderland“ zog der FCV erstmals ohne Unterbrechung durch ein 1,5 –stündiges Programm.
Die ersten Themen, wie „Mit Aladin ins Wunderland“; „Süßer See, Bächlein
klar - im Märchen da ist ALLES wahr“ und „40
Meilen am Fuße des roten Berges“ erweckten die Aufmerksamkeit der Herren Genossen der
SED-Kreisleitung. Auch sie
beherrschten die Blumensprache. Fortan wurde der FCV bei diversen Schulungen in Kreis- und
Bezirkskabinetten für
Kulturarbeit als negatives Beispiel gehandelt. So wurden weitere Veranstaltungen nach dem
ersten zwei Auftritten im
damaligen Kreiskulturhaus „Maxim Gorki“ für dem FCV untersagt.
Als sich dies herumsprach, dass es keine Faschingsveranstaltungen
mehr geben sollte, wurde der Druck „von der Straße“
so groß, dass der FCV gebeten wurde, doch ja wieder im Kulturhaus aufzutreten. Aus heutiger
Sicht ist uns bewusst
geworden, warum unser Verein für jede Veranstaltung zwei Eintrittskarten reservieren musste.
Im Vorwendejahr 1989
ging der FCV in die Akten der Stasi ein.
„Ede!
Wir schnitzeln Dir die Gackeln weg,
bei Dir ha'm'se ja doch keen Zweck.
Du hast ausreichend 'rum gesudelt,
jetzt wirst De von uns durchgenudelt."
1993 – Neuwahlen beim FCV. Der Präsident Heinz-Günter Brosowski gibt
nach 15 Jahren Vereinsführung sein Amt ab. Als
neuer Präsident wird Wilfried Rastig gewählt. 1995 wird Volker Göhlert nach 3-jähriger
Mitgliedschaft zum neuen
Präsident des FCV gewählt. Der damalige Präsident und Kronenwirt Heinz-Günter Brosowski
wurde zum
Vereins-Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt.
Als das Kreiskulturhaus Maxim Gorki wieder Zur Krone wurde, fand der FCV
in seiner 15.Saison nach X Jahren
Heimatlosigkeit ein Stammhaus. Mit dem Wiederaufbau und Rekonstruktion des Großenhainer
Schlosses, wird das
Kulturhaus Krone im Jahr 2002 geschlossen. Am 16.02.2002 findet im Kulturhaus die letzte
Veranstaltung des FCV
statt.
Zum 25-jährigen Jubiläum feiert der FCV unter einem neuen Vereinsbanner.
Dazu fand zur Saisoneröffnung am 11.11.2002
vor dem Rathaus die Fahnenweihe statt.
Mit Thomas Krause, dem Eigentümer des Großenhainer „Schützenhauses“
(ehem. Einheit), fand der FCV einen neuen
Partner. Am 16.11.2002 zogen die Karnevalisten in dessen Tanzsaal zur Auftaktveranstaltung
der 25. Saison ein. Mit
dem Erwerb der Remontehalle durch den Schützenhauswirt wird dem Verein ein größerer Saal zur
Nutzung angeboten. Zu
DDR-Zeiten wurde dieser als Veranstaltungs- und Kinosaal durch die NVA, des 16.
Panzer-Regimentes "Leo Jogiches",
genutzt. Für den Verein war es eine neue Herausforderung, die er zur Eröffnungsveranstaltung
am 15.11.2003 mir
Bravur gemeistert hat. In diesem gehen immerhin 500 Gäste rein. Erstmalig wurden die
Veranstaltungen mit einem
Jugend- und Weiberfasching erweitert.
Von den Gründungsmitgliedern sind heute noch 3 Karnevalisten mit dabei -
Gerhard Enger, Helmut Jurisch und
Friedemann Püschel. Zurzeit besteht unser Verein aus über 100 Mitgliedern.
In der Mitgliederversammlung am 20.05.2005 fand die Neuwahl des
Vorstandes statt. Volker Göhlert stellt aus
beruflichen Gründen nach 10-jähriger Tätigkeit sein Amt als Präsident zur Verfügung. Als
neuer Präsident wird Dieter
Riehmer von den Mitgliedern gewählt.
Übrigens, die Namen unserer Garden haben historischen Hintergrund. Blaue
Garde – das blau steht für die Großenhainer
Husaren, die blaue Uniformen trugen. Gemäß dem DDR-Schlagwort wählten wir die Namen Rote
Garde und Junge Garde (für
unsere Kindertanzgruppe).
Bereits 2 mal war der Folberner Carnevals-Verein e.V. Ausrichter des
Präsidententreffen des VSC. Im Jahr 2002 (9.
Präsidententreffen) im Kulturhaus "Zur Krone" und im Jahr 2014 (20. Präsidententreffen) in
der "Remontehalle
Großenhain".